Frankreich besiegt amerikanischen NBA-Stars sensationell

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58 Meisterschaftsspiele hatten die Basketball-Teams der Vereinigten Staaten seit dem Spätsommer 2006 gewonnen, drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen, zwei WM-Titel. Das macht selbstsicher. Und angreifbar. Am Mittwoch vollendeten die Franzosen, was die Türken bei der ewigen Jagd der Europäer auf die Supermacht des Basketballs in der Vorrunde der Weltmeisterschaft in China noch um Haaresbreite verpasst hatten: 89:79 (39:45) schickte Frankreich das Ensemble der Basketball-Erfinder in die Platzierungsrunde. Statt goldbekränzt Erster allenfalls Fünfter im Weltvergleich, das trifft Spieler wie Nation ins Herz.

„Frankreich hat uns geschlagen. Es ist egal, wer im Team ist“, sagte Trainer-Altmeister Popovich mit Bezug auf seine Auswahl, der die Topstars ferngeblieben waren, und erwies sich als fairer Verlierer. Auch Topscorer Donovan Mitchell reagierte genervt auf die Fragen nach den fehlenden Superstars. „Ich habe es satt, wenn Leute fragen, wer nicht hier ist. Sie wollten nicht kommen, das ist ihr Ding. Wir haben elf andere Jungs hier in diesem Raum, die antreten wollten“, sagte der Point Guard der Utah Jazz.

Mancher Kritiker hat es vorher gewusst und angesprochen: Die vom alten Kontinent haben längst verstanden, wie das Spiel funktioniert. Ihre Profis verdienen Millionen in der stärksten Liga auf diesem Planeten. Und häufig genug nicht als Rollenspieler. Frankreichs Hüne Rudy Gobert (21 Punkte) dürfte den Amerikanern als bester Verteidiger der abgelaufenen NBA-Saison bekannt sein. Weshalb sich die Frage stellt, warum Kemba Walker (10) und vor allem Donovan Mitchell (29) in der Crunchtime, als das Spiel nach 35 von 40 Minuten auf des Messers Schneide stand, immer wieder in den Herrschaftsbereich von Rigoberts Fangarmen (Spannweite 2,36 Meter) zogen – und dort hängenblieben.

Da setzte sich offenbar das Bewusstsein durch, individuelle Klasse reiche, das Spiel zu entscheiden. Vielleicht in Bestbesetzung, mit jenen Stars der Szene, die reihenweise abgesagt hatten. Aber der geschickten Kombination von Mannschaftsspiel und kaltschnäuzigen Solotouren der Franzosen mit Evan Fournier (22) oder Nando de Colo (18) hatten die Amerikaner nicht genügend Qualität entgegenzusetzen. Ihre Trefferquote aus der Distanz steigerten sie zwar von 19 auf 28 Prozent (sieben von 25 Dreiern) und blieben damit nur marginal unter der französischen Ausbeute (8/24). Aber nicht mal die so gerühmte Physis reichte, die Franzosen vom eigenen Korb fernzuhalten.

Wer 41 Rebounds zulässt (16 für Gobert), und selbst nur auf 27 kommt, wird ein Match nur schwer gewinnen können. Schon gar nicht mit krassen Fehlentscheidungen im Spielaufbau und einer schlechten Freiwurfquote (14/21) vor allem zum Ende bei sechs Punkten Rückstand.

Australien im Halbfinale

Die Amerikaner zeigten Nerven. Daheim im Mutterland des Basketballs werden sie genervt sein von einer Niederlage, die immer noch als Majestätsbeleidigung aufgefasst wird. Obwohl die Griechen schon 2006 den Stolz der Basketball-Nation in Japan im WM-Halbfinale aus der Halle warfen. Damals standen LeBron James, Carmelo Anthony, Dwane Wade etwas verdattert auf dem Parkett, alles andere als Rollenspieler. Aber überrascht von Gegnern, deren Name nicht mal der berühmte Coach Mike Krzyzewski kannte.

Er sprach damals von einer Entwicklung, die seinem Team bevorstehe. Sie kam. Auch, weil der Schmerz der Niederlage Kräfte freisetzte, Stars motivierte, zwischen den NBA-Spielzeiten die Beine im Namen der Bundesauswahl zu heben. Das könnte auch die Australier, die sich gegen Tschechien (82:70) als Letzte für das Halbfinale qualifizierten, noch einmal beflügeln. 2020 in Tokio, wenn es um olympisches Gold geht, um das größte Prestige, wird ein anderes amerikanisches Team aufkreuzen. Die zweite Wahl reicht längst nicht mehr.

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