Stern-Stimme Micky Beisenherz zu E-Scootern: Von der Rolle

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Wenn Sie das hier lesen können – Glückwunsch, dann zählen Sie zu denjenigen, die noch nicht als Fußgänger von einem E-Scooter umgenietet wurden.

Womöglich ist es Ihnen noch gar nicht aufgefallen, aber binnen weniger Tage haben sich die Dinger so vermehrt, dass sie jetzt wie Heuschrecken über arglose Bürger herfallen. Nicht einmal eine Straße muss man mehr überqueren, um den Gang zum Bäcker in eine Nahtoderfahrung und sich selbst in ein großes Plunderteilchen zu verwandeln.

Patsch! Schon biste dahin.

Die Dinger sind wirklich überall!

Bis dato herrschte die Annahme, dass Scooter lediglich die Ohren schädigen, nun aber sausen diese Hipster-Rikschas in jeder Ecke herum. Der durchschnittliche Passant ist ob der neuen Bedrohungslage derart alarmiert, dass er mittlerweile schon alle paar Minuten von seinem Smartphone aufschaut, um nicht völlig überraschend umgenietet zu werden.

Die Dinger sind wirklich überall! Oft in Fünferrotten kesseln sie mit 20 km/h über das Trottoir, um Rentner in Dreiviertelhosen zu jagen wie waidwunde Gnus, bis selbige schließlich vor irgendeiner Eisdiele entkräftet zusammenbrechen. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein Bundestags-Hinterbänkler eine Abschussquote fordert, um der ungehemmten Ausbreitung Herr zu werden. Vielleicht aber löst man einfach mehrere Probleme auf einmal und hetzt E-Scooter-Fahrer und Wölfe aufeinander? Das wär es doch! Ist der EScooterist gar schon der neue Problembär?

In Sachen Coolness muss der Scooter aufpassen, nicht plötzlich in die Schmuddelecke zu geraten

Alle machen sie mit. Gerade in fremden Städten ist es dem Touristen ja nun auch wirklich nicht zuzumuten, die beschwerlichen 200 Meter vom Starbucks zum Hard-Rock-Café zu Fuß zu gehen, ergo mietet er sich so einen Roller. Als trendbewusster Hipness-Afficionado werde ich mir das alles jetzt ganz genau anschauen. Wenngleich ich bereits das Gefühl habe, dass demnächst sogar Liegefahrradfahrer verächtlich auf die Rollatoren für BWLer blicken könnten. Ja, sogar die ersten Segway-Touristenraupen schieben sich schon naserümpfend an diesen elektrifizierten Emporkömmlingen vorbei.

In Sachen Coolness muss der Scooter aufpassen, nicht plötzlich in die Schmuddelecke zu geraten, in der bereits Crocs und Fidget Spinner auf ihn warten. Es kippt ja bereits nach wenigen Tagen. Eine Meldung wie „Philipp Amthor überfährt Gangsta-Rapper Gzuz mit Elektroroller“ würde in Sachen Street Credibility schon sehr helfen. Viel realistischer ist aber natürlich, dass man sich demnächst beim beherzten Sprung von der Brücke in die Spree oder die Isar den Rücken bricht, weil kurz unter der Wasseroberfläche ein Haufen ausgemusterter Trottinette liegt, die irgendein Großinvestor nicht mehr gewinnbringend einsetzen mochte.

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