“Succession”, 2. Staffel: HBO-Serienhit über Medien-Dynastie bei Sky

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Traditionsreiche Zeitungen, hippe Webseiten, abgewrackte lokale Fernsehsender: Wie ein Wal unentwegt Plankton einsaugt, verleibt sich der Medienkonzern Waystar Royco von den Resten der freien amerikanischen Presse ein, was ihm vors riesige Maul treibt. Das Unternehmen ist im Besitz des Medienmoguls Logan Roy (Brian Cox) und dessen Kindern; die Jungen streiten schon um die Erbfolge, aber der Vater hat sich trotz Herzinfarkt seinen Hunger bewahrt. Der alte Wal zieht weiter seine Runden.

Der Clan des greisen irischstämmigen Verlegers Roy aus der Mediendynastie-Satire “Succession” erinnert deutlich an den des realen greisen australischen Verlegers Rupert Murdoch, der mit seiner Familie erhebliche Teile an der US-Presse besitzt – unter anderem den Fernsehsender Fox News, mit dem er über die letzten Jahre durch eine sehr freie Auslegung des Begriffs Journalismus das Publikum auf Trump-Kurs eingeschworen hat.

Die zweite Staffel von “Succession”, die ab Montag bei Sky zu sehen ist, arbeitet diesen politischen Aspekt im Ringen der Roy-Sippschaft um Macht und Geltung nun besonders stark heraus. Die erste Staffel wirkte ein bisschen wie “Dallas” mit Breaking-News-Ticker; da ging es noch darum, wie sich der vermurkste, untereinander tief zerstrittene Roy-Nachwuchs vor dem Hintergrund einer sterbenden Presselandschaft über ödipale Coups und Scoops aus den Fängen des tyrannischen Verlegerpatriarchen zu befreien versucht.

Auf Shoppingtour durch die US-Medienszene

Die neuen zehn Folgen fokussieren jetzt noch stärker darauf, wie sich die Einkaufstouren der Roys durch die marode US-Medienszene aufs gesellschaftliche Klima auswirken. Die Einsicht kommt ausgerechnet aus der Mitte des toxischen Clans: “Wenn wir alle Nachrichten besitzen, frag ich mich, wo ich meine verdammten Nachrichten herbekomme”, sagt Siobhan “Shiv” Roy (Sarah Snook), die Tochter des Hauses.

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HBO-Serie:
Eine toxische Familie

Shiv hatte in der ersten Staffel als Beraterin bei einem demokratischen Präsidentschaftskandidaten angefangen, der den alten Roy über Aufsichtsbehörden das Leben schwer macht. Das mochte Shivs Art gewesen sein, im Intrigenspiel ums Medienimperium mitzumischen, aber als Spin Doctor weiß sie eben auch, dass Politik von einer vitalen Debatte lebt.

Hören wir ihr also noch ein bisschen zu: “Die amerikanische Republik ist in einem jämmerlichen Zustand”, klagt Shiv, als sie mit einem Bruder die Lage sondiert. “Du hast die ‘Times’, die ‘Post’, die Redakteure bei PGM und Hunderte wütende Frauen bei Twitter. Das ist alles. Und jetzt sollen wir den nächsten schlucken?”

Verleger-Spross auf Koks und Crystal Meth

Die “(New York) Times” und die “(Washington) Post” gibt es wirklich, der Nachrichtensender PGM ist eine Fiktion der Serienschöpfer. Im Gegensatz zum eigenen News Network des Roy-Imperiums wird PGM von aufrechten, unbestechlichen Journalisten geleitet; selbst die zynischen Roy-Kinder sprechen voller Ehrfurcht von den Reportern dort – die wiederum nur Verachtung für die opportunistischen Verleger-Blagen übrig haben.

Das ist der tragikomische Effekt, der “Succession” durchzieht: Je mehr Macht die Roys durch ihre oft offen dreckigen Geschäfte gewinnen, desto stärker schlägt ihnen die Verachtung entgegen. Besonders grausam wird das an Shivs Bruder Roy (Jeremy Strong) durchgespielt, dem Ketamin-, Koks- und Crystal-Meth-abhängigen natürlichen Roy-Thronfolger, der zur großen Verlegerpersönlichkeit werden will: Egal welches angesagte Start-up er auch aufkauft – stets zeigen ihm jene, die er zu besitzen glaubt, offen, dass sie ihn für ein degeneriertes Vatersöhnchen halten.

Und doch wächst das Unternehmen stetig. Und die anstehende Vermählung des großen grauen Wals Waystar Royco mit den weißen Rittern von PGM würde die Markt- und Meinungsmacht des Imperiums über Jahre festigen, Medienkrise hin oder her. Die Erzählkunst dieser in den USA stürmisch gefeierten Serie zeigt sich auch darin, dass der Mega-Deal völlig glaubhaft erscheint. Ein Zusammengehen der fiktiven Firmen Waystar Royco und PGM – das entspräche in der Wirklichkeit einer Hochzeit der erzreaktionären Fox News mit CNN, der Stimme des liberalen Amerikas.

Unterhaltungskonzerne als politische Player

“Succession” zeigt auf diese Weise, wie fatal sich der Medienwandel auf Politikgestaltung und Pluralismus auswirken könnte (oder das schon tut). Dabei ist der produzierende Pay-TV-Sender HBO (“Game of Thrones “) ja selbst Teil des großen Umbruchs, den er mit der Serie darstellt. HB0 gehört zum Unterhaltungskonzern WarnerMedia, der wiederum mit dem Nachrichtensender CNN verbandelt ist, der in “Succession” eben wenig verklausuliert in Gestalt von PGM als Retter des freien Amerikas gefeiert wird.

Je stärker die klassischen Nachrichtenmedien in den Hintergrund geraten, desto mehr werden die Unterhaltungskonzerne zu Mitspielern in den großen gesellschaftlichen Debatten. Eine Tendenz, die man etwa auch bei der Entwicklung von Netflix nachvollziehen kann, wo die Obamas Dokumentationen mit klarer politischer Agenda unter den Binge-Watching-Suchtstoff mischen.

Die traurige und lustige, hochverdichtete und hochintelligente Gesellschafts- und Politsatire “Succession” stimmt uns so gesehen auf das neue Informationszeitalter ein, das nach dem großen Medienumbruch kommen könnte: Entertainment ist das neue Informationsprogramm.



“Succession”, 2. Staffel, ab Montag, bei Sky Atlantic HD, Sky Ticket, Sky Go und über Sky Q auf Abruf

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