Vorsicht, Gefahr in der Bundesliga! Die Klubs und ihre Ziele

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Wenn die Bundesligavereine dieser Tage ihren Trainingsbetrieb aufnehmen, beginnen wunderbare Tage für Hobbypsychologen, Kommunikationsstrategen und Semantiker. Wird Julian Nagelsmann als neuer Trainer bei RB Leipzig tatsächlich die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben, wie er es im vorigen Jahr in Hoffenheim tat? Oder hat der junge Fußball-Lehrer Demut gelernt? Auf welches seiner E-Wörter wird Mönchengladbachs Sportdirektor zurückgreifen? „Einstelligkeit“? Oder wagt er ein kühnes „Europa“?

Und müssen die Angehörigen des BVB tatsächlich aufpassen, nicht „in Wahnsinn zu verfallen“? Entsprechende Bedenken trug Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor, nachdem er so verwegen war zu erklären: „Wir werden in die Spielzeit mit der Maßgabe gehen, dass wir ohne Wenn und Aber um die deutsche Meisterschaft spielen wollen.“ Dabei enthält diese Aussage mit dem relativierenden „wollen“ immer noch eine Hintertür.

Mit Offenheit und Klarheit haben offiziell verkündete Saisonziele nur am Rande zu tun, sie sind das Produkt komplexer Erwägungen zur Wirkung nach innen, nach außen und oftmals geprägt von Angst vor öffentlicher Kritik. Denn sobald ein Klub hinter den Vorgaben zurückzubleiben droht, stürzt eine mitunter absurde Welle der Empörung über den Beteiligten zusammen.

Bayer Leverkusens Klubchef Fernando Carro erzählt gerne, dass er im vergangenen Herbst bei einem kritischen Journalisten anrief, um zu erfahren, warum sein damaliger Trainer Heiko Herrlich so heftig kritisiert werde, während niemand den Rauswurf des noch erfolgloseren Domenico Tedesco auf Schalke fordere. Die Gelsenkirchener hätten eben nicht die Champions League zum Ziel erklärt, hat der Berichterstatter Carro zufolge geantwortet. Die Souveränität zu sagen, „Okay, wir haben uns viel vorgenommen, sind aber auch gut, wenn wir etwas schlechter abschneiden“, ist vollkommen unterentwickelt.

Also biegen sich etliche Vereine fein austarierte Formulierungen zurecht. Aber Vorsicht, Gefahr! Allzu defensive Vorgaben sind nicht minder gefährlich. „Man limitiert sich damit selbst“, sagt Schalkes neuer Trainer David Wagner. Bei genauer Betrachtung muss man zu dem Schluss gelangen, dass die sommerlichen Zielsetzungen oft viel mehr über denjenigen verraten, der sie führt, als über die wahren Vorsätze der Klubs. Es lohnt sich, gut zuzuhören.

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