Zürich bündelt Strassenbauprojekt Neumühlequai: 8,347 Millionen Franken für mehr Sicherheit und Effizienz
Die Stadt Zürich hat einen entscheidenden Schritt für die Verkehrsinfrastruktur am Neumühlequai unternommen: Der Stadtrat hat einen Projektierungskredit von 8,347 Millionen Franken für das Strassenbauprojekt Neumühlequai bewilligt. Das Besondere daran? Zwei ursprünglich separate Vorhaben werden nun zu einem Gesamtprojekt zusammengefasst – eine Maßnahme, die nicht nur Kosten spart, sondern auch die Koordination zwischen verschiedenen städtischen Departements verbessern soll.
Doch hinter der finanziellen Entscheidung stecken komplexe Herausforderungen: von der Zusammenführung zweier Projekte über Konflikte mit dem Kanton bis hin zu Fragen der Verkehrssicherheit. Wie wirkt sich diese Entscheidung auf Zürichs Mobilitätskonzept aus? Und warum scheiterten frühere Versuche, temporäre Radspuren durchzusetzen?
Warum die Stadt Zürich die Projekte bündelt: Drei zentrale Gründe
1. Effizienz durch Zusammenlegung
Ursprünglich waren für das Strassenbauprojekt am Neumühlequai zwei separate Projektierungskredite bewilligt worden. Doch wie der Stadtrat in einer aktuellen Medienmitteilung erklärt, sind die Vorhaben so eng miteinander verknüpft, dass eine getrennte Planung ineffizient wäre:
“Die eng zusammenhängenden Projekte sollen nun zu einem Gesamtvorhaben gebündelt werden, um Synergien zu nutzen und die Umsetzung zu beschleunigen.”
— Stadtrat Zürich (Mai 2026)
Durch die Bündelung entfallen Doppelarbeiten bei der Planung, und die Stadt kann Ressourcen des Tiefbauamts und des Sicherheitsdepartements gezielt einsetzen. Experten schätzen, dass solche Maßnahmen in Großstädten bis zu 20 % der Projektkosten einsparen können – ein Argument, das besonders in Zeiten knapper Haushalte überzeugt.
2. Konflikt mit dem Kanton: Wer entscheidet über Verkehrskonzepte?
Der aktuelle Beschluss wirft erneut die Frage auf, wer in Zürich die Hoheit über Verkehrsinfrastruktur hat: die Stadt oder der Kanton? Wie ein rezent Konflikt um temporäre Radspuren zeigt, kann es zu Spannungen kommen, wenn die Stadt eigenmächtig Maßnahmen ergreift.
Im Fall des Neumühlequai-Projekts geht es jedoch nicht um temporäre Lösungen, sondern um eine langfristige Planung. Dennoch bleibt die Frage: Wird der Kanton die Bewilligung des Projektierungskredits akzeptieren – oder drohen weitere Konflikte, wie sie bereits bei der früheren Verkehrskonzept-Debatte auftraten?
3. Verkehrssicherheit als zentrales Ziel
Hintergrund des Projekts ist die komplexe Bauphase am Bahnhofquai, wo aktuell umfangreiche Arbeiten laufen. Wie die Stadt Zürich betont, soll das Projekt vor allem die Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer erhöhen:
- Entflechtung der Verkehrsströme: Klare Trennung von Auto-, Rad- und Fußgängerzonen.
- Anpassung an den Bahnhofsbetrieb: Reduzierung von Staus während der Bauphase.
- Barrierefreiheit: Integration von Aufzügen und taktilen Leitssystemen für Menschen mit Behinderungen.
8,347 Millionen Franken: Wie wird das Geld verwendet?
Der bewilligte Betrag deckt vor allem Planungskosten ab – kein Geld fließt direkt in den Bau. Doch was steckt dahinter?
Aufschlüsselung der Kosten
| Posten | Verantwortlich | Zweck |
|---|---|---|
| Verkehrsplanung | Tiefbauamt | Analyse der Verkehrsströme, Simulationen für verschiedene Szenarien |
| Sicherheitskonzept | Sicherheitsdepartement | Risikoabschätzung für Bauarbeiter und Anwohner |
| Öffentlichkeitsarbeit | Departement für Kommunikation | Information der Anwohner über Bauphasen und Umleitungen |
| Koordination mit Kanton | Stadtrat | Abstimmung mit kantonalen Behörden zur Vermeidung von Konflikten |
Rechtliche Hürden: Warum die Bündelung nicht selbstverständlich ist
In der Schweiz obliegt die Verkehrsinfrastruktur sowohl der Stadt als auch dem Kanton. Während die Stadt Zürich für den Bau zuständig ist, hat der Kanton Richtlinienkompetenz – etwa bei der Frage, wie viel Platz dem Individualverkehr eingeräumt wird.
Der aktuelle Projektierungskredit ist ein politischer Kompromiss: Die Stadt signalisiert mit der Bündelung, dass sie langfristig planen will – ohne dabei die kantonalen Vorgaben zu ignorieren. Ob dies ausreicht, um künftige Konflikte zu vermeiden, bleibt abzuwarten.
Wie wirkt sich das Projekt auf Zürichs Mobilität aus?
Kurzfristig: Bauphase und Umleitungen
Die Bauarbeiten am Neumühlequai werden voraussichtlich 2027 beginnen und sich über mehrere Jahre hinziehen. Für Anwohner und Pendler bedeutet das:
- Temporäre Sperrungen: Teile des Quais könnten für den Autoverkehr gesperrt werden.
- Umleitungen: Der Verkehr könnte über die Walchestrasse oder den Limmatquai geleitet werden.
- Erhöhte Radverkehrsführung: Geplante temporäre Radspuren (wie im März 2026 diskutiert) könnten dauerhaft umgesetzt werden.
Langfristig: Vision für den Neumühlequai
Das Projekt ist Teil eines größeren Mobilitätskonzepts, das Zürich bis 2030 umsetzen will. Geplant sind:
- Mehr Platz für Radverkehr: Anbindung an bestehende Radrouten wie die Veloroute 1.
- Fußgängerfreundliche Zonen: Erweiterung der Shared Space-Konzept-Testbereiche.
- Digitale Verkehrskontrolle: Einsatz von Echtzeit-Daten zur Steuerung von Ampeln und Umleitungen.
Ob diese Vision umgesetzt wird, hängt auch davon ab, ob der Kanton die Pläne der Stadt unterstützt – oder ob es wie bei den temporären Radspuren zu letzten Minuten-Rücknahmen kommt.
FAQ: Häufige Fragen zum Neumühlequai-Projekt
1. Warum wurden die Projekte nicht früher gebündelt?
Die ursprüngliche Planung erfolgte in zwei Phasen, da die Verantwortlichkeiten zwischen Tiefbauamt und Sicherheitsdepartement nicht klar abgegrenzt waren. Erst durch eine interne Überprüfung wurde die Notwendigkeit einer Zusammenlegung erkennbar.
2. Wird der Kanton den Projektierungskredit akzeptieren?
Der Kanton hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Allerdings zeigt die rezenten Konflikte um Radspuren, dass eine Zusammenarbeit nicht immer reibungslos verläuft. Die Stadt Zürich setzt nun auf eine proaktive Abstimmung, um Widerstände zu minimieren.

3. Werden die Baukosten steigen?
Der Projektierungskredit deckt nur die Planungskosten ab. Die späteren Baukosten hängen von den Ergebnissen der Planungsphase ab. Schätzungen des Tiefbauamts gehen von 150 bis 200 Millionen Franken für die Gesamtbauphase aus – abhängig von den finalen Entwürfen.
4. Wie kann ich mich über den Bau informieren?
Die Stadt Zürich plant eine regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit über:
- Eine dedizierte Projektwebsite mit Bauphasen und Umleitungen.
- Hörbeispiele und Versammlungen in den Anwohnerquartalen.
- Digitale Newsletter über das Stadtportal.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung – aber noch nicht das Ende der Diskussion
Die Bewilligung des Projektierungskredits für den Neumühlequai ist ein wichtiger Meilenstein – doch sie löst nicht alle offenen Fragen. Während die Stadt Zürich mit der Bündelung der Projekte Effizienz und Sicherheit verbessern will, bleibt die Zusammenarbeit mit dem Kanton ein Schlüsselthema.
Für Anwohner und Verkehrsexperten ist klar: Das Projekt bietet die Chance, den Neumühlequai zukunftsfähig zu gestalten – aber nur, wenn alle Beteiligten (Stadt, Kanton, Bevölkerung) zusammenarbeiten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Zürich es schafft, aus den Konflikten der Vergangenheit zu lernen und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept umzusetzen.
Was denken Sie? Sollte der Kanton mehr Einfluss auf lokale Verkehrsinfrastruktur haben – oder ist die Stadt Zürich in der Pflicht, eigenverantwortlich zu handeln? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!